In Kürze

Alterskrankheiten mit Geroprotektion verhindern

Berlin (pag) – Ein interdisziplinäres Konsortium für Altersforschung fordert Prof. Björn Schumacher, Institut für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung der Universität zu Köln. Die Empfehlung stammt aus einem 32 Seiten umfassenden Papier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

„Mehr als zehn Jahre am Ende des Lebens leiden Menschen unter chronischen Erkrankungen“, er.klärt Schumacher in einem Pressegespräch. Zumindest heute noch. Denn die Forschung zeige: Nicht nur die Lebensdauer, sondern auch die Gesundheitsspanne kann verlängert werden. Durch Geroprotektion, dem Schutz vor altersbedingten Krankheiten. Verhindern statt behandeln ist die Devise. Doch Altern sei ein ungemein komplexer Prozess. „Wir brauchen eine Erweiterung der Forschungslandschaft, die interdisziplinär arbeitet und diese ganze Komplexität von molekularen Strukturen bis zum Menschen in seiner Umwelt untersucht und versteht“, appelliert Schumacher. Sprich: Ein Konsortium, das Expertisen in Alterungsbiologie und Systembiologie vernetzt.

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Repurposing im Fokus

Deutschland sei in puncto Altersforschung per se gut aufgestellt, findet Prof. Oliver Tüscher, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle. Doch bei der Translation hapere es noch. Eine Empfehlung der Experten lautet deshalb, die Translation neuer biologischer Erkenntnisse in die Identifizierung und Weiterentwicklung neuer Arzneimittel zu beschleunigen. Eine wichtige Rolle spiele auch das Umwidmen von Medikamenten (Repurposing). Bereits heute gebe es Arzneimittel mit geroprotektiven Eigenschaften, die zur Behandlung anderer Krankheiten eingesetzt werden könnten, Diabetesmedikamente zum Beispiel. Zum Repurposing plädieren die Autoren für die gezielte Einführung von Förderprogrammen. Die Experten empfehlen zudem, ein Bewusstsein für Geroprotektion zu schaffen. Noch sei Deutschland „Schlusslicht in Europa, was präventive Maßnahmen betrifft“, so Tüscher.

„Das Thema ist von brennender Signifikanz“, betont Schumacher mit Verweis auf die Demografie. Und Geroprotektion schaffe den Rahmen für eine „gesund alternde Gesellschaft“.

 

Weiterführender Link:
Diskussionspapier: Konzepte für eine neue Medizin in einer alternden Gesellschaft, Leopoldina (Hrsg.), PDF, 36 Seiten