In Kürze

Mammographie-Screening: die Erfolgsbilanz

Berlin (pag) – „There is no glory in prevention“ lautet eine altbekannte Weisheit. Doch als im Juli die Auswertung des Mammographie-Screenings in Anwesenheit von Bundesumweltminister Carsten Schneider und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Berlin vorgestellt wird, ist doch fast ein wenig Herrlichkeit spürbar. Warken spricht von einer Investition, die sich lohne – „für die Frauen, ihre Familien, die Gesellschaft insgesamt“.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Bundesumweltminister Carsten Schneider bei der Veranstaltung zur Auswertung des Mammographie-Screenings © BMUKN, Sascha Hligers

Der Evaluation zufolge trägt das Screening deutlich zur Verringerung der Brustkrebssterblichkeit bei: Unter den Frauen, die daran teilnehmen, gehen die Brustkrebs-Todesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurück. Etwa jeder vierte Todesfall kann durch eine frühzeitige Diagnose vermieden werden. Für die Untersuchung wurden Daten aus den Jahren 2009 bis 2018 ausgewertet. Der Nutzen des Mammographie-Screenings sei weit größer als das sehr geringe zusätzliche Krebsrisiko, das mit der Anwendung von Röntgenstrahlung bei der Untersuchung verbunden ist, heißt es ausdrücklich auf der Veranstaltung.

Die mit der Auswertung beauftragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Münster verfolgen dabei zwei parallele Untersuchungsansätze: Im kassenbasierten Ansatz verwenden sie Abrechnungsdaten mehrerer Krankenkassen. Dadurch können Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet in die Studie einbezogen werden. Der bevölkerungsbasierte Ansatz beschränkt sich auf Nordrhein-Westfalen, umfasst jedoch vollzählig alle Frauen, die dort im Untersuchungszeitraum Anspruch auf eine Mammographie haben. Dafür werden Daten des Landeskrebsregisters Nordrhein-Westfalen genutzt.

KI und Mammographie

Das größte Screening-Programm Europas wurde vor 20 Jahren auf Beschluss des Deutschen Bundestags eingeführt. Für Frauen von 50 bis 69 Jahren steht es seit 2009 flächendeckend zur Verfügung. Jedes Jahr nutzt etwa die Hälfte der eingeladenen Frauen das Programm. Im Sommer letzten Jahres wurde das Programm auf Frauen bis 75 Jahre ausgeweitet.

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Die Bundesgesundheitsministerin kündigt an, dass man sich nicht auf dem Status quo ausruhen werde. Das Screening werde sich in den kommenden Jahren neuen Herausforderungen stellen müssen. Sie erwähnt beispielsweise eine Erweiterung der Altersgrenze nach unten, inhaltliche und digitale Fortentwicklungen der Informationsmaterialien sowie durch KI unterstützte Auswertungen der Aufnahmen.

Ein Anliegen ist es ihr auf der Veranstaltung, die Brustkrebsfrüherkennung als wichtigen Beitrag zur Förderung der Frauengesundheit einzuordnen. Frauengesundheit bedeute aber mindestens genauso ein gesundes Herz, einen gesunden Stoffwechsel, stabile Knochen, mentale Gesundheit oder ein ausgewogenes hormonelles Gleichgewicht. „Viel zu lange wurde Medizin vor allem von Männern für Männer gemacht, mit den entsprechenden Folgen für die Frauen“, kritisiert Warken und kündigt an: „Das muss sich ändern.“ Geschlechtsspezifische Unterschiede müssten in allen Gesundheitsfragen mit Bedacht werden. Ihr Ziel ist es, die spezifischen Bedarfe von Frauen wie auch von Männern zu erkennen und sicherzustellen, dass gesundheitliche Maßnahmen individuell angepasst werden.