In Kürze

Reibungslose Transition – noch immer die Ausnahme

Wiesbaden (pag) – Der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin, die sogenannte Transition, ist oft unzureichend organisiert. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) fordern verbindliche Strukturen, damit der Übergang nicht zur gesundheitlichen Belastung wird.

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Gerade für junge Menschen, die an komplexen Krankheitsbildern wie Mukoviszidose, Typ-1-Diabetes oder seltenen, oft angeborenen Erkrankungen mit mehreren typischen Symptomen leiden oder eine Organtransplantation erhalten haben, sei dieser Wechsel mit Risiken verbunden. Werden Vorsorge und notwendige Therapien nicht konsequent fortgeführt, drohen den Expertinnen und Experten zufolge bleibende Schäden, Komplikationen und eine erhöhte Langzeitsterblichkeit.

Durch die medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte erreichen viele ehemals pädiatrische Patienten heute das Erwachsenenalter. Damit betreffen Erkrankungen, die früher nur in der Kinderheilkunde relevant waren, auch Internisten. Prof. Britta Siegmund, die in der Arbeitsgruppe Transition der DGIM, DGKJ und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie Konzepte für Übergänge in der medizinischen Versorgung entwickelt, betont: „Viele junge Menschen, die im Kindesalter Krebs hatten, entwickeln im Laufe ihres Lebens internistische Komorbiditäten wie Herz- und Nierenprobleme sowie Störungen des Hormonhaushalts.“ Diese Verlagerung erfordere ein vertieftes Wissen über Kinder- und Jugendkrankheiten in der Inneren Medizin sowie eng abgestimmte Übergänge.

Keine angemessene Betreuung?

Trotz Modellprojekten und einer Leitlinie hängt die reibungslose Transition in Deutschland bislang stark vom Engagement einzelner Einrichtungen ab. „Es fehlt an flächendeckenden, verlässlichen Strukturen und klar definierten Verantwortlichkeiten“, betont Prof. Lars Pape. Er ist Mitglied der AG Transition und hat die S3-Leitlinie zu Transition koordiniert. Eine Integration spezieller Angebote, die Heranwachsende beim Wechsel von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin unterstützen, in die Regelversorgung scheitere bislang auch daran, dass sie nicht dauerhaft finanziert seien. Ohne geordnete Übergänge bestehe die Gefahr, dass junge Menschen nach dem Verlassen der pädiatrischen Versorgung nicht mehr angemessen internistisch betreut werden – oder erst nach einem langen Versorgungsabbruch wieder Anschluss finden.

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Mit einem gemeinsam herausgegebenen Schwerpunktheft, das parallel in „Die Innere Medizin“ und der „Monatsschrift Kinderheilkunde“ erschienen ist, möchten DGIM und DGKJ Ärztinnen und Ärzte für die Relevanz des Themas sensibilisieren. Das Heft beleuchtet unter anderem Transitionsprozesse bei Erkrankungen aus der Endokrinologie und Diabetologie, Nephrologie, Hämatologie und Onkologie, Pneumologie, Gastroenterologie, Hepatologie und Kardiologie. „Nur wenn wir das Wissen aus Kinder- und Jugendmedizin auf der einen und Innerer Medizin auf der anderen Seite zusammenbringen, können wir Versorgungslücken verhindern und die langfristige Gesundheit dieser jungen Menschen sichern“, betont die DGIM-Vorsitzende Prof. Dagmar Führer-Sakel. Jenseits der AG soll Transition noch stärker in der Aus- und Weiterbildung bei den Jahrestagungen in den Blick genommen werden, kündigt die Essener Internistin an, die im kommenden Jahr dem Internistenkongress als Präsidentin vorstehen wird.

 

Weiterführender Link:
Die Innere Medizin, Schwerpunktheft „Transition – Einführung zum Thema“, Juni 2025