In Kürze

Arzneimittelengpässe: Zeit zu handeln

Luxemburg/Berlin (pag) – Die EU muss endlich entschlossen gegen kritische Arzneimittelengpässe vorgehen, verlangt kürzlich Klaus-Heiner Lehne, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs. In einem Sonderbericht analysiert er die Problemlage. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat das Thema auf der Agenda.

In den Augen von Klaus-Heiner Lehne, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, ist es Zeit zum Handeln. © Wikipedia, Duerino, CC BY-SA 4.0

Die von den EU-Staaten gemeldete Anzahl an Arzneimittelengpässen erreicht in den Jahren 2023 und 2024 ein „Rekordlevel“, sagt Lehne. Er führt aus, dass Arzneimittelengpässe schwerwiegende Folgen für die Patienten haben könnten, die öffentliche Gesundheit gefährdeten und für Ärzte, Apotheken und Länder mit hohen Kosten verbunden seien.

Ein zentrales Ergebnis des Berichts lautet, dass es noch an einem wirkungsvollen System fehle, um das Problem einzudämmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen seien unzureichend. Eine Empfehlung lautet daher, umfassende koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen von Arzneimittelengpässen einzuleiten. Auch habe die EU-Kommission sicherzustellen, dass Engpässe von zentral zugelassenen Arzneimitteln rechtzeitig an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gemeldet werden. Weiterhin sollte die EMA eine zentrale Arzneimitteldatenbank und eine zentrale Meldeplattform betreiben, in welche bestehende und geplante einschlägige Datenbanken eingehen. Und: Sowohl die EMA als auch die EU-Mitgliedsländer hätten die öffentliche Kommunikation zu verbessern und sollten Informationen über mögliche alternative Arzneimittel bereitstellen.

Frühes Stadium

In Lehnes Augen zeigt der Bericht: Es ist Zeit zum Handeln. Obwohl die EMA den Ländern wertvolle Unterstützung geleistet und die Kommission erste Schritte unternommen habe, indem sie Änderungen der Rechtsvorschriften vorschlug, befinden sich die Bemühungen, die die zugrunde liegenden Ursachen der Engpässe beseitigen, „noch in einem frühen Stadium“, so die Autoren. Der Expertise zufolge gibt es für Engpässe verschiedene Gründe, darunter Schwachstellen in den Lieferketten. Die Produktion von gängigen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Ibuprofen sei größtenteils nach Asien ausgelagert worden. Eine hohe Abhängigkeit bestehe auch bei anderen gängigen Arzneimitteln, für die in der EU kritische Engpässe bestanden hätten, wie das Antibiotikum Amoxicillin und Salbutamol, ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Asthma benötigt wird.

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Kurz nach Vorstellung des europäischen Berichts publiziert die DKG ein Positionspapier zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung. Darin fordert sie eine verlässliche, sichere, innovative und finanzierbare Arzneimittelversorgung. „Wir brauchen endlich einen klaren politischen Kurs, der den Krankenhäusern Planungssicherheit gibt“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß. Dazu gehörten ein optimiertes Monitoring ohne unnötige Bürokratie, eine faire Belieferung durch den Großhandel sowie kurzfristig nutzbare Ausnahmeregelungen, wenn Standardmedikamente fehlen.

 

Weiterführende Links:
Deutsche Krankenhausgesellschaft, Moderne und verlässliche Arzneimittelversorgung an Krankenhäusern, 2025, PDF

Europäischer Rechnungshof, Kritischer Arzneimittelengpass – EU-Maßnahmen brachten einen Mehrwert, strukturelle Probleme bleiben jedoch bestehen, 2025, PDF