Berlin (pag) – In Deutschland scheitern Innovationen zu oft auf ihrem Weg ins Gesundheitswesen. Wie dies besser werden kann und dabei zugleich auch noch die medizinische und pflegerische Versorgung effizienter wird, ist Thema auf dem Versorgungs- und Forschungskongress der Barmer.
Für den Vorstandsvorsitzenden der Barmer, Prof. Christoph Straub, bietet Deutschland eine „sehr innovationsfreundliche Umgebung“. Es werden hohe Ressourcen für Forschung und Entwicklung aufgebracht, „doch von deren Ergebnissen kommt zu wenig in der Versorgung an“. Der Kassenchef verweist unter anderem auf die hohe Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel sowie die GKV-Ausgaben von über 50 Milliarden Euro jährlich. Gemessen an Gesundheitsergebnissen wie der Lebenserwartung oder der Versorgung von Herz-Kreislauf- Erkrankungen schneide man im internationalen Vergleich jedoch nur unterdurchschnittlich ab. Straub plädiert unter anderem für neuartige Methoden für den Nutzennachweis und eine übergreifende Anpassung von Strukturen und Prozessen zur optimalen Integration der Innovationen.

Angst vor Veränderungen
Laut Prof. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom der Universität Bielefeld und Moderator des Kongresses, scheitern Innovationen im Gesundheitswesen an einem Mix aus hohen Kosten, Unsicherheit über den Nutzen einer Innovation sowie institutionellen Risiken. Auch die Angst vor Veränderungen und die Trägheit des Systems behinderten diese. Ansätze für ein Innovationsmanagement sieht er zum Beispiel im Innovationsfonds, in Modellvorhaben oder der Regulierung des Zugangs von Innovationen.
„Viele Innovationshürden im System sind längst bekannt. Es ist höchste Zeit, dass wir uns ihrer annehmen“, postuliert Tino Sorge, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, macht dagegen mit Blick auf den Innovationsfonds deutlich, dass ein Projekt nur dann wirklich innovativ sei, „wenn schon im Antrag klar ist, wie es in die Versorgung finden kann“.
Dr. Robert Welte von Gilead Sciences stellt auf der Veranstaltung die Perspektive der Industrie dar: Innovative Therapieansätze, die einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf auch kleiner Patientenpopulationen adressieren, sowie die sich daraus ergebenden Studiendesigns machen für ihn die Weiterentwicklung des AMNOG notwendig – sowohl hinsichtlich der Nutzenbewertung als auch der Preisfindung. Auch sollten gemeinsam Wege gefunden werden, wie Sprunginnovationen in den Bereichen Prävention und Therapie schneller beim Patienten ankommen, appelliert er.
