In Kürze

Die Kluft zwischen Forschung und Krankheitslast

Berlin (pag) – Die Forschung ist insgesamt unzureichend an tatsächliche Gesundheitsbedarfe angepasst. Das ergibt eine internationale Studie unter Beteiligung der Universität Mannheim.

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„Bisher wussten wir, dass Forschung und Krankheitslast oft nicht zusammenpassen – aber wie sich dieses Ungleichgewicht über die Zeit verändert hat, war weitgehend unbekannt“, konstatiert Korrespondenzautor Prof. Marc Lerchenmüller. Beides sei seit 1999 viel besser aufeinander abgestimmt, zeigt die Arbeit. Die Diskrepanz habe sich seitdem sogar halbiert. Der Hauptgrund dafür ist der regionale Rückgang übertragbarer Krankheiten wie HIV/AIDS, Malaria oder Tuberkulose. Ihr Anteil an der weltweiten Krankheitslast reduzierte sich in den letzten 20 Jahren deutlich. Dem steht jedoch eine globale Zunahme von nicht übertragbaren Krankheiten gegenüber – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Suchterkrankungen oder Diabetes. Rechnung getragen würde dieser Veränderung von Seiten der Wissenschaft allerdings nicht.

Die Experten blicken auf eine Zweiteilung: Die Diskrepanz zwischen Forschung und Krankheitslast sei um etwa 75 Prozent zurückgegangen, weil die Krankheitslast lokal auftretender Infektionskrankheiten deutlich abgeflacht sei. Konträres gelte für chronische, nicht übertragbare Krankheiten: Hier sei die Kluft um 25 Prozent gestiegen. „Nichtübertragbare Krankheiten sind ein globales Problem – doch die Forschung dazu findet bislang vor allem in den westlichen Ländern statt und hinkt der globalen Zunahme der Krankheitslast hinterher“, betont Dr. Leo Schmallenbach, Erstautor der Studie.

Mehr Zusammenarbeit gefordert

Ändern sich Forschungsschwerpunkte künftig nicht, dürfte die Schere wieder auseinanderklaffen, glauben die Autoren. Damit Forschung und Gesundheitsbedarfe harmonisiert werden, brauche es stärkere internationale Zusammenarbeit, eine offene Wissenschaftspolitik – etwa durch Open Science und verpflichtendes Daten-Sharing – und Partnerschaften auf Augenhöhe. Nur so könnten auch unterversorgte Regionen erreicht werden, konstatieren die Wissenschaftler.

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Die Langzeitstudie betrachtete mithilfe Künstlicher Intelligenz rund 8,6 Millionen wissenschaftliche Veröffentlichungen mit Daten zur Krankheitslast der vergangenen 20 Jahre.