In Kürze

Die sozialen Folgen von Brustkrebs

Hannover (pag) – Immer mehr Frauen überleben ihre Brustkrebserkrankung, allerdings sind viele von ihnen nach der Therapie mit sozialen Folgen der Krankheit konfrontiert. Diese hat eine neue Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) näher analysiert. Fest steht: Es besteht Handlungsbedarf.

Die Studie zeigt, dass viele ehemalige Brustkrebspatientinnen mit der Rückkehr ins soziale Leben zu kämpfen haben: Sie gehen seltener ins Restaurant oder Kino, machen weniger Ausflüge und besuchen weniger Veranstaltungen als andere Frauen in ihrem Alter. Gründe dafür sind fortbestehende Beschwerden wie Schmerzen sowie psychische Symptome etwa Angst, Depressionen und Antriebslosigkeit. „Insbesondere Frauen mit niedrigem Einkommen, die weiterhin stark an brustkrebsbedingten Beschwerden leiden, sind seltener in soziokulturelle Aktivitäten eingebunden“, sagt Studienleiter Prof. Siegfried Geyer, Abteilung Medizinische Soziologie der MHH.

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Rente statt Beruf

Fast dreißig Prozent aller Befragten sind fünf Jahre nach der Therapie nicht mehr berufstätig. Etwa doppelt so viele Brustkrebsüberlebende wie gesunde Frauen gehen vorzeitig in Rente. Faktoren, die eine Rückkehr an den Arbeitsplatz begünstigen, sind neben einer besseren körperlichen und psychischen Gesundheit auch ein gehobener beruflicher Status und ein höherer schulischer Bildungsgrad. Die Wahrscheinlichkeit, in den Beruf zurückzukehren, ist für Patientinnen mit Realschulabschluss oder Abitur doppelt so hoch wie für andere Patientinnen.

„Wir müssen mehr tun, um die Barrieren zu beseitigen, die Patientinnen davon abhalten, in ihr Leben vor der Krebserkrankung zurückzukehren“, verlangt Geyer. Bei der Planung von Nachsorgeprogrammen sollte zudem ein besonderes Augenmerk auf Frauen mit geringem Einkommen gelegt werden. Einige der Studienteilnehmerinnen wünschten sich neben mehr Unterstützung im Umgang mit Schmerzen und Beeinträchtigungen auch eine sozialrechtliche Beratung zur Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber Versicherungen, Behörden und Arbeitgebern.

Politik ist gefordert

In Deutschland leben derzeit etwa eine Million Frauen mit überstandener Brustkrebsbehandlung. Die Forschenden der MHH haben rund 400 Patientinnen zwischen 39 und 68 Jahren befragt, deren Therapie vier bis sechs Jahre zurückliegt. Zur Einordnung haben sie ihre Antworten mit denen gleichaltriger Frauen aus einer Bevölkerungsstichprobe verglichen. Die Deutsche Krebshilfe, die die Studie mit rund 110.000 Euro unterstützt hat, fordert einen Ausbau des Krebsnachsorgeangebots. Dieses Angebot bedarfsgerecht auszubauen und Konzepte hierfür zu entwickeln, sei der Krebshilfe ein wichtiges Anliegen, betont deren Vorstand Gerd Nettekoven. Er sieht vor allem die Gesundheits-, Sozial- und Forschungspolitik in der Pflicht.