In Kürze

Forscher fordern digitalen Kurswechsel

Berlin (pag) – Digitalkompetenz darf nicht allein mit der Bedienung verwechselt werden – Fachkräfte müssen auch Nutzen, Risiken und Grenzen digitaler Systeme verstehen, sagt Prof. Manuel Trenz. Er ist Leiter des Forschungsprojektes „HowToDigital“, welches digitale Kompetenzen und Nutzerzentrierung im Gesundheitswesen untersucht.

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Die digitale Transformation des Gesundheitswesens stocke nicht nur an der Technik, sondern an Kompetenzen, Kommunikation und Prozessen, ergibt das Projekt. „Digitalkompetenz im Gesundheitswesen bedeutet nicht, jede Software im Detail zu beherrschen“, stellt Trenz klar. Es gehe vielmehr um die Bereitschaft, „Neues zu lernen, kritisch zu denken und zu wissen, an wen man sich wenden kann“.

Digitale Frustration sei derzeit weit verbreitet und werde zudem unterschätzt. Fehlende Schulungen, unklare Zuständigkeiten, fehlende Feedback-Kanäle, wenig Einarbeitungszeit: Solche Faktoren vermitteln Beschäftigten das Gefühl, Digitalisierung sei eine Belastung. „Unsere Halbzeitbilanz zeigt deutlich: Wir müssen Digitalkompetenzen breit denken – weg vom reinen Technik-Know-how, hin zu Haltung, Reflexionsfähigkeit und strukturierten Lernprozessen“, so Trenz, der eine Professur für Interorganisationale Informationssysteme an der Georg-August-Universität Göttingen innehat.

Konkreter Nutzerbedarf im Fokus

Nutzer würden „zu spät oder zu wenig einbezogen“, ergänzt sein Kollege Prof. Simon Trang, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Paderborn. Die Universität beleuchtet im Projekt die technische Seite der Digitalisierung, insbesondere die Entwicklung digitaler Gesundheitsanwendungen innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI). Software-Hersteller arbeiteten oft entlang regulatorischer Vorgaben ohne Rückbindung an den Versorgungsalltag. Deshalb braucht es in den Augen der Forscher einen Kurswechsel: weg von rein technischen Lösungen, hin zu einem Entwicklungsansatz, der bei konkreten Nutzerbedarfen ansetzt.

Neben den Universitäten Göttingen, Paderborn und der Universitätsklinik Köln sind die Deutsche Röntgengesellschaft, die gematik, die AOK Sachsen-Anhalt, die Techniker Krankenkasse sowie die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg an „HowToDigital“ beteiligt. Das Projekt wird mit rund 800.000 Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Es läuft seit Anfang 2024 und bis Ende 2026.