Berlin (pag) – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) berät über ein gezielteres Früherkennungsangebot für Prostatakrebs – und zwar mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert) und Magnetresonanztomographie (MRT).

Mit einem Ergebnis ist spätestens in zwei Jahren zu rechnen. Auslöser des Bewertungsverfahrens ist ein Antrag der Patientenvertretung im G-BA und des unparteiischen G-BA-Vorsitzenden, Prof. Josef Hecken. Dieser betont: „Wir hoffen auf Studien, die zeigen, dass sich durch die zusätzliche Abklärung mit einer MRT-Untersuchung unerwünschte Überdiagnosen und falsch-positive Screening-Befunde reduzieren lassen.“ Berücksichtigt werden sowohl die jüngst aktualisierte S3-Leitlinie als auch die internationale Studienlage.
Ablauf der Beratungen
Das neue Beratungsthema wird im Bundesanzeiger und auf der Website des G-BA veröffentlicht. Damit haben alle Sachkundigen die Gelegenheit, sich auf Grundlage eines Fragebogens zu äußern und eine erste Einschätzung abzugeben. Parallel beauftragt der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Studienrecherche und -bewertung. Auf Basis des IQWiG-Abschlussberichts berät der Ausschuss dann, ob und inwiefern das aktuelle Früherkennungsangebot angepasst werden muss. Zum erarbeiteten Beschlussentwurf werden schriftliche und mündliche Stellungnahmen von Verbänden und wissenschaftlichen Fachgesellschaften eingeholt und ausgewertet. Über den gegebenenfalls angepassten Beschlussentwurf wird in öffentlicher Sitzung abschließend beraten und entschieden.
Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bietet derzeit für Männer ab 45 Jahren einmal pro Jahr eine Früherkennungsuntersuchung an. Sie umfasst unter anderem das Abtasten der Prostata vom After aus. Die PSA-Wert-Bestimmung im Blut ist aktuell keine Früherkennungsuntersuchung.

Prostatakrebs-OPs: Deutliche Qualitätsunterschiede
Unterdessen ergibt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass es bei der vollständigen Entfernung der Prostata aufgrund von Prostatakrebs deutliche Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken gibt. Im Fünftel der Kliniken, die in der Auswertung überdurchschnittlich abgeschnitten haben, lag die Komplikationsrate bei 6,4 Prozent. Im Fünftel der schlechtesten Kliniken seien 23 Prozent der Operierten von Komplikationen betroffen. Wären alle rund 3.200 Fälle, die in den unterdurchschnittlich bewerteten Krankenhäusern operiert wurden, in überdurchschnittlich abschneidenden Kliniken behandelt worden, hätten etwa 480 Komplikationsfälle vermieden werden können. „Diese Modellrechnung macht deutlich, dass bei einer Steuerung der Patienten in die Kliniken mit der besten Behandlungsqualität viel Leid der Patienten und unnötige Folgekosten für Nachbehandlungen vermieden werden könnten“, so die Chefin des AOK-Bundesverbandes Dr. Carola Reimann.
Rund 17.600 Fälle von AOK-Versicherten aus den Jahren 2021 bis 2023 wurden in die Auswertung einbezogen, die in 189 Kliniken operiert wurden.
