Berlin (pag) – Das Programm für Nationale Versorgungsleitlinien (NVL) hat sich neu aufgestellt. Dieser Schritt war notwendig, nachdem das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin 2024 aufgelöst wurde und die Zukunft des NVL-Programms unklar war. In die Bresche sprangen die Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) und das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi). In Kooperation übernehmen sie die Herausgeberschaft.
Wie AWMF und Zi berichten, hat das neue NVL-Team unter Leitung von Peggy Prien, Methodikerin im Bereich evidenzbasierte Medizin, seine Arbeit im Oktober aufgenommen. „Wichtig ist, dass es kein ‚Weiter wie zuvor‘ geben soll, sondern dass seitens der Fachgesellschaften ausdrücklich ein Neustart gewünscht wird“, heißt es auf Nachfrage der Presseagentur Gesundheit vonseiten des Zi.

Ein Steuerungsausschuss soll zukünftig die im Methodenreport verankerten Prozesse operationalisieren und programmweit den Aktualisierungsbedarf aller Leitlinien des NVL-Programms sowie den Themenbedarf priorisieren. Dies soll das NVL-Team dabei unterstützen, neue Versionen der Leitlinien zukünftig einmal im Jahr zu veröffentlichen. Das schränke aber den Umfang der in diesem Zeitraum möglichen Arbeiten pro Leitlinie ein.
Gebildet wird der Steuerungsausschuss aus den für die NVL-Themen relevantesten Fachgesellschaften sowie aus Vertretern von AWMF und Zi. Ein Wissenschaftlicher Beirat soll dafür Sorge tragen, dass die methodische Qualität der NVL gesichert und dass aktuelle methodische Entwicklungen stetig berücksichtigt werden. Dieser Beirat umfasst Experten der evidenzbasierten Medizin, zum Beispiel vom Deutschen Netzwerk für evidenzbasierte Medizin, von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und von Cochrane Deutschland. Auch ein Patientenvertreter werde an Bord sein.
In den nächsten Wochen würden die Leitliniengruppen neu zusammengestellt, kündigen Zi und AWMF an. Danach soll zunächst für alle existierenden Leitlinien aus dem NVL-Programm der Aktualisierungsbedarf erfasst und priorisiert werden. Geplant ist außerdem, bereits begonnene Aktualisierungsprozesse schnellstmöglich wiederaufzunehmen.
Kürzungen bei medizinischen Leitlinien
Mitte Oktober wird bekannt, dass von den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums zur Konsolidierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung auch die Entwicklung medizinischer Leitlinien betroffen ist. Unter anderem soll das Fördervolumen des Innovationsfonds im kommenden Jahr reduziert werden. Konkret geht es um eine einmalige Senkung der Fördersumme von 200 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro. Darunter fällt auch eine Halbierung des Fördervolumens für medizinische Leitlinien. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) reagiert überrascht: „Da in der Vergangenheit insbesondere die Fördersumme für die medizinische Leitlinien stets ausgeschöpft und sie neben den Versorgungsforschungsprojekten die Gesundheitsversorgung qualitativ verbessern, muss dauerhaft wieder die ursprüngliche Summe bereitgestellt werden“, fordert AWMF-Präsident Prof. Rolf-Detlef Treede. Er warnt vor einer Einschränkung der Versorgungsqualität.
